Weinrallye #59 - exotische Weine

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Ein exotischer Wein soll es also sein. Und das auf die Schnelle, denn ich hab erst sehr spät von der Rallye erfahren. Um genau zu sein, erst am Mittwoch. Da stellt sich mir natürlich zuerst die Frage, was ist ein Exot? Jemandem wie Thomas Golenia, der sämtliche Satellitenbilder von Weinlagen kennt, wird ein Riesling aus Uruguay nur ein müdes Lächeln entlocken. Dahingegen wird der schwäbische Nachbar meiner Cousine wahrscheinlich hocherstaunt kucken, wenn man ihm sagt, dass es etwas anderes gibt als Trollinger und Lemberger.

Ja und für was entscheide ich micht jetzt? Der Tempranillo aus der Pfalz wurde leider erst vor kurzem so schön bebloggt, da wart ich noch ein bisschen, bevor mir der auf den Weinvergleichstisch kommt. Für besagten uruguayischen Riesling oder den Bolero aus Kopenhagen fehlt mir die Beschaffungszeit, also muss der Keller herhalten und der einzige Exot (wenn man einen Schwarzriesling aus Rheinhessen nicht auch als Exoten bezeichnet) ist ein Refošk aus Slowenien. Und nicht nur irgendein Refošk. Nein, eine Spätlese mit deutlichem Restzucker (um die 80g).

Auch eher ein Zufallsprodukt, dass der sich in meinem Keller aufhält. Ich hatte mich zum Weinlab Nr. 11 intensiv mit osteuropäischem Wein beschäftigt, insbesondere mit Slowenien und mir dafür ein umfangreiches Probierpaket zuschicken lassen. Unter vielen mittelmäßigen Weinen befand sich auch einer, der mir von vornherein zusagte und dem ich auch beim Altern zuschmecken möchte. Der sladki (süß) Refošk 2008 vom Weingut Vinakoper aus Slowenien.

Heute steht die vorletzte Flasche der Kiste auf meinem Tisch und wird sich gleich mit einer Riesling Auslese 2011 aus dem Wonnegau (jaja, bei jedem Vergleich sollte in diesem Jahr ein Wonnegauer dabei sein) vom Weingut Dr. Koehler aus Bechtheim messen.

Vorweg aber noch ein paar Worte zur Refošk-Traube, die im benachbarten Kroation Teran und im ebenfalls benachbarten Friaul Refosco genannt wird. Und ja, für die, die es ganz genau wissen wollen: Refosco ist eine Traubenfamilie, der unter anderem auch die Prosecco-Traube zugeordnet werden kann und deren Angehörige recht unterschiedliche Charakter aufweisen können. Der bekannteste Vertreter der Familie, der Refosco dal penduncolo rosso wird im Friaul angebaut und "erbringt tiefdunklen Wein mit pflaumenwürzigem Aroma und einer Mandelnuance bei mittlerem bis vollem Körper und recht ausgeprägter Säure" (Jancis Robinson, Oxford Weinlexikon). Interessanterweise sind die Marzemino-Traube, die Sanny Krug in ihrem Bottles in a Box-Blog beschreibt und der Refosco in direkter Linie miteinander verwandt. Welche Ausprägung bei mir im Glas gelandet ist, kann ich aber leider nicht sagen.

Die Nase: Zuerst am Riesling gerochen und eine blumige, gelbfruchtige Frische registriert. Im Vergleich dazu ist die Nase des Refošk dunkelfruchtiger, pfeffriger und wärmer. Im Mund spürt man bei beiden sofort die Süsse, wobei der Riesling ein wenig klebriger daherkommt, während der Refošk mit mehr Säure aufwartet und dadurch ausgewogener wirkt. Im Nachhall überzeugt auch der Refošk, der deutlich länger und intensiver Präsenz zeigt. Insgesamt erscheint zum jetzigen Zeitpunkt (der Riesling ist erst 1 ½ Jahre alt!) der Refošk als angenehmer und besser geeignet, entweder als Aperitif getrunken, oder zu einer Käseplatte gereicht zu werden.

Ach und mehr Infos und alle anderen Beiträge zur Weinrallye #59 finden sich hier oder hier oder hier. Gastgeber dieser Weinrallye ist Sommelier Peter Ladinig vom Institute of Drinks.

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© Max Bareis 2013